2006

Frankreich rot:

2015 probierte ich Chateau d'Armailhac und erkannte sofort die rote Fruchtaromatik in der Nase. Es waren sowohl säurebringende Beerenfrüchte, rote Früchte als auch weiche Rosenblüten vorhanden. Das Eichenfass konnte man erkennen, ebenso eine starke Graphitnote und eine Ledernote. Auf der Zunge kam der feste Wein weich an, bevor die Tannine sanft den ganzen Mundraum auskleideten. Zugleich breitete sich die rote Fruchtnote mit Pflaumen, Beerensäure und Süße aus. Auch überraschten die auftauchenden Erdbeeren und wieder die Rosenblüte. Die nach längerem Probieren aufkommende tomatige Umaminote brachte viel Fülle mit in den Wein. Die eichentönige Würze mit etwas Vanillin zeigte sich am Ende, ebenso die Graphitnote und ein paar minzige Kräuter. Der Wein verblasste nur langsam (WH90/100). Chateau L'Houmelat: In der Nase zeigte er 2014 dunkle Früchte, eingelegt in braunem Rum. Am Gaumen fruchtig-vanillig, wenig Tannine. Ein süffiger, angenehmer Wein mit kurzem und vanilligem Abgang. Das Fruchtspiel ist zu kurzweilig, daher etwas Monotonie (WH80/100). Der 2014 verkostete Chateau St. Auriol duftete intensiv fruchtig nach Brombeeren, schwarzen Johannisbeeren und Kräutern. Ebenso war neben dem Würzeton und der Kräuter-Minzenote eine versteckte Süße zu erkennen. Am Gaumen war der Wein vollmundig mit harmonischer Frucht (Beeren) & Würze, vanilletöniger Süße und wieder dem komplexen Kräuter-Minzeton, bei dem man auch Rosmarin und Thymian erkennen konnte (WH88/100).

Frankreich weiss:

Der honigmelonengelbe Chardonnay La Cigaralle vom Chateau de Cayx, der im Gegensatz zu den 2008er Kollegen das Holzfass von innen gesehen hat duftete 2013 nach Bienenhonig, blumig und nach Banane. Am Gaumen auch wieder blumig, ordentlicher Schmelz und dann ein Ausflug in tropische Gefilde mit einem Pfefferminzhauch. (WH90/100). 2014 beim Cigaralle Vergleich eine deutlich gereifter wirkende Flasche: Hier hatte man in der Nase getrocknetes Brioche und Vanille, am Gaumen samtige Weichheit, buttrig bis sahnige (!) Note zum niederknien, doch auch hier ist reichlich Säure vorhanden, die sich zwischen Zitrone und mehr Richtung Apfel bewegt (WH90/100).

Spanien rot:

Der Bodegas Vega Esteban Crianza duftete Ende 2013 nach Roten Beeren, etwas Lakritz und Eiche. Am Gaumen rote Grütze, Eiche, süßer Rauch und Beere, aber etwas fade und kühl. Da war schon des Öfteren mehr drin, als (WH80/100), so zum Beispiel 2014: In der Nase Früchte mit einem Hang ins Überreife, rote Früchte (Beeren) und etwas Eichenwürze in dem finessenreichen Aroma. Am Gaumen folgte dem kräftigen Antritt mit roten Früchten eine milde Süße mit ein paar Tanninen, samtige Fassaromen und eine erfrischende Ausgewogenheit (WH84/100). Javier Asensio Reserva war 2017 ein nach Beerenaromen duftender Wein, hierbei waren Oxidationsaromen erkennbar, die Pflaume und Schwarzkirsche wirkten sehr reif. Im Antritt zeigte sich grüner Pfeffer, der "spicy" Geschmack kam ohne sperriges Resttannin aus. Die Fruchtnote war auch hier gereift, die alkoholische Note konnte sich nicht verstecken. Im Abgang waren wurde eine Edelholznote und Zimt deutlich (WH86/100). Der Vallformosa Clos Maset war 2013 ein Korkschmecker, doch 2015 hatte ich Glück. Der Wein zeigte in der Nase überreife Beerenfrucht, Pflaume und Birne und erinnerte an Rumtopf. Doch dann zeigte sich eine florale Note, bevor sich ein reifer Würzeton mit Leder und weissem Pfeffer breit machte. Am Gaumen zeigte sich die starke Frucht, anfangs mit Beeren, später mit Pflaumen, Rosen und schwarzen Johannisbeeren. Die Würze zeigte sich mit voller Kraft und frischem Holz, leider wirkten die Tannine leicht grün (WH88/100).

Italien rot:

Casale del Giglio Merlot roch 2013 nach kaum etwas. Spuren von milder Frucht und etwas Quark sind vorhanden. Am Gaumen Leder, etwas Johannisbeere und Trockenheit. Der Wein baut zwar im Glas noch etwas aus, aber ist wohl sehr bald über dem Zenit, obwohl noch so jung (WH85/100). 2017 war der Mori Vecio Concilio aus der Imperiale-Flasche ein fruchtbetont duftender Wein mit Pfeffernoten, Vanille, Pflaumen, Johannisbeeren, Kirsche und alkoholischem Ton. Das Alter war dem Wein nicht anzumerken. Der Wein war in der Nase weich, auf der Zunge jedoch adstringierend mit roter Frucht und Tannin, das wohl vom Holz, als auch vom den Trauben stammte. Nichtsdestotrotz war der Wein sehr fruchtig, füllig und kräftig und dadurch lecker, auch wenn noch weiteres Potenzial vorhanden war (WH84+/100). In der Toskana 2014 war der Pasiteo Vino Nobile di Montepulciano Fassati ein fruchtig duftender Wein, der auch nach Würze, Marzipan, roter Johannisbeere und Tabak roch. Am Gaumen wirkte der Wein vollmundig, harmonisch und zeigte eine schön eingebundene Würze. Aromen von Johannisbeere und Tabak mit harmonischer Säure und Frucht waren in den Wein mit fester Konsistenz eingebunden (WH90/100).

Österreich rot:

Als meine Eltern Blaufränkisch vom Elfenhof in Rust am See 2007 kauften, war dieser Wein verschlossen und wurde im Keller vergessen. 2013 duftet er intensiv nach roten Beeren, z.B nach Himbeere und schmeckt nach roter Grütze und feinen Kräutern. Die Ecken und Kanten sind verschwunden und man merkt Anklänge von Reifearomen. So geht süffiger Blaufränkisch! (WH83/100) 2017 probierte ich erneut eine Flasche. Dieser duftete frisch-fruchtig nach roten Beeren und Früchten mit Kräuternoten, wobei Salbei zu erkennen war. Ein Anklang von Süße und erste Brotaromen waren erkennbar. Diese Flasche wurde durch die zusätzlichen vier Jahre noch harmonischer. Der Geschmack erinnerte an trockene Beeren, während sich im Abgang eine cremige und leichte Süße zeigte. Indes war die Säure noch gut erkennbar und wirkte auch nicht zu alt(WH86/100).

Luxemburg rosé:

Der luxemburgische Pinot Noir Greiveldange Herrenberg von Beck-Frank duftete zwei mal 2014 fruchtig-frisch (Grapefruit, Zitrone). Am Gaumen wenig Säure, fruchtige Frische und gelbfleischige Früchte mit Quarknuancen. Tolle, runde Zechkomposition mit tropischer Süße (WH80-81/100).

Sonstiger Wein:

Tokaji Szamorodni von Saigó Picészet war 2017 ein leicht süßlich-gereift duftender Wein mit Noten von welken Rosenblüten, brotigen Noten und vertrocknetem Apfel. Dies erzeugte gemischte Gefühle, nicht nur bei mir. Am Gaumen war der Wein wenig aussagekräftig mit einer leichten Apfelfruchtnote und etwas Säure. Auch das Brot- und Rosenblütenaroma war nach fünf Sekunden wieder passé. Selbst für einen trockenen Szamorodni war der Wein sehr trocken (WH68/100).

Schaumwein:

2013 haben Bekannte und ich in einem Großmarkt 72 Piccolos von Carstens SC erworben, je 24x 2006er,07er und 08er. Interessant ist, dass diese extrem schnell reifen und nur ein sehr kurzes Trinkfenster haben. Da muss man aufpassen. Vor einem Jahr noch ein guter Genuss, heute sind alle auf dem Abstieg (die Piccolos), während der 2008er aus der 1tel an Weihnachten 2013 noch gar nicht angefangen hat sich zu reifen. 2014 dann der Test: Der 2006er riecht nach frischem Schwarzbrot mit Kümmel und alten Apfelsorten. Am Gaumen wenig Säure und Frucht, etwas Orangenöl. Mit (WH76/100) der Sieger.